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Ärzte gesucht für Pilotstudie

Migration und medizinische Kommunikation – wie geht das zusammen?

Kommunikativ, transkulturell, interprofessionell – immer mehr Kompetenzen werden von Ärzt*innen benötigt. Im Praxisalltag machen sie tagtäglich ihre eigenen Erfahrungen zum Beispiel damit, wie schwer es sein kann, sowohl mit Patient*innen als auch mit Angehörigen medizinischer und nichtmedizinischer Berufe zu kommunizieren, wenn unzureichende Sprachkenntnisse und kulturelle Unterschiede im Spiel sind. Kann man dort Abhilfe schaffen?

Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, zu denen sowohl potenzielle Patienten als auch ihre Angehörigen gehören, ist in den letzten 50 Jahren kontinuierlich gestiegen und betrug im Jahr 2018 20,8 Millionen (25,5 Prozent der Bevölkerung). Auch die Zahl der medizinische Berufe ausübenden Personen mit Migrationshintergrund ist stets gewachsen. Allein die Zahl der ausländischen Ärzt*innen ist zwischen 1993 und 2018 um das Vierfache gestiegen und betrug im Jahr 2018 55.000 (12,9 Prozent der Ärzteschaft). Dies bedeutet nicht automatisch, dass Verständigungsprobleme auftauchen müssen. Die sprachliche und kulturelle Vielfalt stellt jedoch alle Kommunikationsbeteiligten vor besondere Herausforderungen, denn oft führen z.B. das Krankheitsverhalten und die damit verbundenen Erwartungen zu Missverständnissen oder Konflikten.

Die besonderen Herausforderungen stehen im Fokus eines Forschungsprojektes im Fachbereich Deutsch als Fremd- und Fachsprache an der Technischen Universität Berlin (TUB). Folgende Arbeitspakete sind vorgesehen: (1) Interkulturelle Beratung von Ärztinnen mit Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache (2) Identifizierung von kulturell und interprofessionell bedingten Einflussfaktoren auf die medizinische Kommunikation (3) Entwicklung eines Konzeptes für die Förderung der transkulturellen und interprofessionellen Kompetenz für angehende und praktizierende Ärztinnen.

Im Rahmen einer vorangestellten Pilotstudie unter der Leitung von Dr. Agnieszka Putzier soll die Machbarkeit der Folgestudie überprüft werden. Die an der Pilotstudie teilnehmenden Ärztinnen erhalten eine für sie kostenlose Beratung zur Kommunikation mit Patientinnen und Kolleginnen mit Migrationshintergrund in Bezug auf z.B. Beziehungsaufbau mit Patientinnen, Umgang mit Angehörigen, diagnostische Fragen oder Umgang mit Sprachhürden, unter Berücksichtigung von (patientenbezogenen) individuellen Faktoren und eventuellen migrationsspezifischen und kulturellen Aspekten. Der für die Pilotstudie gewählte systemisch-gestaltpsychologischer Beratungsansatz ermöglicht es, auch über die eigene Rolle zu reflektieren und lösungsorientiert neue Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Patientinnen und Kolleginnen zu entwickeln.

Gesucht werden ab sofort:

Ärztinnen mit Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache, die Patientinnen mit Migrationshintergrund behandeln, die Kommunikation mit ihnen als besondere Herausforderung ansehen und sowohl die eigene Rolle im Kommunikationsprozess reflektieren als auch lösungsorientiert neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln wollen, Ärztinnen mit Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache, die medizinische Kommunikation mit Kolleginnen mit Migrationshintergrund als besondere Herausforderung ansehen und sowohl die eigene Rolle im Kommunikationsprozess reflektieren als auch lösungsorientiert neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln wollen. Wie läuft Ihre Teilnahme ab? Als Erstes richten Sie Ihre Interessenbekundung bitte direkt an: agnieszka.putzier@uni-greifswald.de Danach erfolgt die Einholung notwendiger Einwilligungen bzgl. Datenschutz. Als Drittes werden Ihnen mögliche Online-Beratungstermine via www.arztkonsultation.de genannt.

28. Apr. 2020