
AAT #23 - DMEA 2026 Spezial
Telemedizin 2026: Warum Digitalisierung jetzt Pflicht wird – und was Praxen konkret tun sollten
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie ist Realität – und gleichzeitig eines der größten ungelösten Probleme im deutschen Versorgungssystem.
Während neue Technologien, KI-Lösungen und digitale Tools in rasanter Geschwindigkeit entstehen, bleibt ihre Nutzung in vielen Arztpraxen hinter den Möglichkeiten zurück.
Doch warum ist das so?
Und was muss passieren, damit Telemedizin endlich flächendeckend wirkt?
In der aktuellen Folge von All about Telemedizin sprechen wir mit Hausarzt und Telemedizin-Unternehmer Stefan Spieren genau darüber – und liefern eine schonungslose Einordnung der aktuellen Lage.
Digitalisierung im Gesundheitswesen: Status quo 2026
Die Situation ist paradox:
- Es gibt mehr digitale Lösungen als je zuvorDie Technologie ist ausgereift und verfügbarGleichzeitig arbeiten viele Praxen noch weitgehend analog
Schätzungen zeigen:
Nur ein kleiner Teil der Arztpraxen ist heute wirklich durchdigitalisiert – während der Großteil noch am Anfang steht.Das bedeutet:
Ein riesiger Effizienzhebel bleibt ungenutzt.
Warum viele Praxen noch nicht digital arbeiten
Die Gründe sind weniger technischer Natur – sondern strukturell:
- Fehlende Verpflichtung zur Nutzung digitaler LösungenEingespielte Prozesse, die ungern verändert werdenUnklare wirtschaftliche VorteileKomplexität bei der Auswahl der richtigen Tools
Ein zentraler Punkt aus der Podcast-Folge:
Viele Ärzt:innen digitalisieren nicht, weil sie es nicht müssen.Das ist keine Frage von Kompetenz – sondern von Systemlogik.
Telemedizin: Lösungen gibt es genug – Umsetzung fehlt
Auf Veranstaltungen wie der DMEA wird eines deutlich:
Der Markt ist voller Lösungen.Von Videosprechstunden über KI-gestützte Dokumentation bis hin zu digitalen Assistenzsystemen – nahezu jedes Problem hat bereits eine technische Antwort.Die eigentliche Herausforderung liegt woanders:👉 Welche Lösung passt zur eigenen Praxis?
👉 Wie lassen sich Tools sinnvoll integrieren?
👉 Und wie verändert man bestehende Prozesse?Erfolgreiche Praxen starten nicht mit Technologie – sondern mit einer einfachen Frage:„Wo drückt der Schuh im Alltag?“
KI in der Praxis: Hype oder echter Gamechanger?
Künstliche Intelligenz ist aktuell eines der dominierenden Themen im Gesundheitswesen.Doch jenseits des Hypes zeigt sich ein klarer Nutzen:
- Automatisierte Dokumentation (Ambient Scribing)KI-gestützte TelefonassistenzDigitale Vortriage von PatientenAnalyse von Vitaldaten und Sprache
Das Ziel ist nicht, Ärzt:innen zu ersetzen – sondern sie zu entlasten.Besonders relevant:
Viele dieser Lösungen funktionieren bereits heute im Praxisalltag.
Primärversorgungssystem: Der Schlüssel zur besseren Steuerung
Ein zentrales Problem im aktuellen System ist die fehlende Steuerung von Patienten.Heute gilt oft:
- Patienten gehen direkt zu FachärztenNotaufnahmen werden überlastetRessourcen werden ineffizient genutzt
Die Lösung: ein Primärversorgungssystem.Das bedeutet:
- Erste Einordnung der BeschwerdenGezielte Weiterleitung in die richtige VersorgungsebeneEinbindung verschiedener Akteure (Ärzte, Apotheken, digitale Lösungen)
Telemedizin spielt dabei eine zentrale Rolle:
- Schnelle Erstbewertung per VideoDigitale Erhebung von VitaldatenEffiziente Steuerung ohne unnötige Praxisbesuche
Warum Regulierung unvermeidbar wird
Ein besonders kontroverser Punkt der Folge:Reicht es, auf freiwillige Digitalisierung zu setzen?Die klare Einschätzung:
👉 Nein.In den letzten Jahren gab es zahlreiche Förderprogramme und Anreize – mit begrenztem Erfolg.Die Konsequenz:
- Digitalisierung wird zunehmend verpflichtendMindeststandards werden definiertLeistungen werden an digitale Nutzung geknüpft
Das Ziel ist nicht Kontrolle – sondern Sicherstellung der Versorgung.
Vergütung als Bremsklotz der Digitalisierung
Ein oft unterschätzter Faktor:👉 Das Vergütungssystem bestimmt das Verhalten im Gesundheitswesen.Aktuell gilt:
- Präsenzkontakte werden besser vergütetDigitale Leistungen sind eingeschränktEffizienz wird nicht belohnt
Das führt zu einem zentralen Problem:
Digitale Prozesse sind zwar sinnvoll – aber wirtschaftlich oft nicht attraktiv.Ohne Anpassung der Vergütung wird sich Digitalisierung nur langsam durchsetzen.
Die Rolle von Telemedizin in der Praxis der Zukunft
Telemedizin ist mehr als nur Videosprechstunde.In modernen Versorgungskonzepten wird sie zum zentralen Baustein:
1. Entlastung der Praxis
2. Bessere Patientensteuerung
3. Neue Möglichkeiten durch Technologie
Die Zukunft ist dabei nicht rein digital – sondern hybrid:
Eine Kombination aus persönlicher Behandlung und digitaler Unterstützung.
Fazit: Ohne klare Entscheidungen wird sich nichts ändern
Die Voraussetzungen für eine moderne Gesundheitsversorgung sind vorhanden:
- Technologie ist verfügbarLösungen sind erprobtPatienten sind bereit
Was fehlt, ist die konsequente Umsetzung.Die zentrale Erkenntnis der Folge:👉 Digitalisierung passiert nicht von allein.
👉 Sie braucht klare Entscheidungen – von Praxen, Politik und Systemen.Telemedizin wird dabei eine Schlüsselrolle spielen.Nicht als Zusatz – sondern als integraler Bestandteil der Versorgung.
🎧 Jetzt die Podcast-Folge anhören
In der vollständigen Folge von All about Telemedizin diskutieren wir diese Themen im Detail – direkt von der DMEA in Berlin.👉 Jetzt reinhören und eigene Perspektive erweitern.