Der DAV hat entschieden. Am 01.07.2026 startet die "Assistierte Telemedizin in Apotheken".
Jetzt kostenfrei informieren

AAT #23 - DMEA 2026 Spezial

Mai 4, 2026
/
Jan

Telemedizin 2026: Warum Digitalisierung jetzt Pflicht wird – und was Praxen konkret tun sollten

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie ist Realität – und gleichzeitig eines der größten ungelösten Probleme im deutschen Versorgungssystem.

Während neue Technologien, KI-Lösungen und digitale Tools in rasanter Geschwindigkeit entstehen, bleibt ihre Nutzung in vielen Arztpraxen hinter den Möglichkeiten zurück.

Doch warum ist das so?
Und was muss passieren, damit Telemedizin endlich flächendeckend wirkt?

In der aktuellen Folge von All about Telemedizin sprechen wir mit Hausarzt und Telemedizin-Unternehmer Stefan Spieren genau darüber – und liefern eine schonungslose Einordnung der aktuellen Lage.

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Status quo 2026

Die Situation ist paradox:

  • Es gibt mehr digitale Lösungen als je zuvor
  • Die Technologie ist ausgereift und verfügbar
  • Gleichzeitig arbeiten viele Praxen noch weitgehend analog

Schätzungen zeigen:
Nur ein kleiner Teil der Arztpraxen ist heute wirklich durchdigitalisiert – während der Großteil noch am Anfang steht.
Das bedeutet: Ein riesiger Effizienzhebel bleibt ungenutzt.

Warum viele Praxen bisher nicht digital arbeiten

Die Gründe sind weniger technischer Natur – sondern strukturell:

  • Fehlende Verpflichtung zur Nutzung digitaler Lösungen
  • Eingespielte Prozesse, die ungern verändert werden
  • Unklare wirtschaftliche Vorteile
  • Komplexität bei der Auswahl der richtigen Tools

Ein zentraler Punkt aus der Podcast-Folge: Viele Ärzt:innen digitalisieren nicht, weil sie es nicht müssen. Das ist keine Frage von Kompetenz – sondern von Systemlogik.

Telemedizin: Lösungen gibt es genug – Umsetzung fehlt

Auf Veranstaltungen wie der DMEA wird eines deutlich:
Der Markt ist voller Lösungen. Von Videosprechstunden über KI-gestützte Dokumentation bis hin zu digitalen Assistenzsystemen – nahezu jedes Problem hat bereits eine technische Antwort. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders:
👉 Welche Lösung passt zur eigenen Praxis?
👉 Wie lassen sich Tools sinnvoll integrieren?
👉 Und wie verändert man bestehende Prozesse?
Erfolgreiche Praxen starten nicht mit Technologie – sondern mit einer einfachen Frage: „Wo drückt der Schuh im Alltag?“

KI in der Praxis: Hype oder echter Gamechanger?

Künstliche Intelligenz ist aktuell eines der dominierenden Themen im Gesundheitswesen.
Doch jenseits des Hypes zeigt sich ein klarer Nutzen:

  • Automatisierte Dokumentation (Ambient Scribing)
  • KI-gestützte Telefonassistenz
  • Digitale Vortriage von Patienten
  • Analyse von Vitaldaten und Sprache

Das Ziel ist nicht, Ärzt:innen zu ersetzen – sondern sie zu entlasten. Besonders relevant:
Viele dieser Lösungen funktionieren bereits heute im Praxisalltag.

Primärversorgungssystem: Der Schlüssel zur besseren Steuerung

Ein zentrales Problem im aktuellen System ist die fehlende Steuerung von Patienten. Heute gilt oft:

  • Patienten gehen direkt zu Fachärzten
  • Notaufnahmen werden überlastet
  • Ressourcen werden ineffizient genutzt

Die Lösung: ein Primärversorgungssystem.
Das bedeutet:

  • Erste Einordnung der Beschwerden
  • Gezielte Weiterleitung in die richtige Versorgungsebene
  • Einbindung verschiedener Akteure (Ärzte, Apotheken, digitale Lösungen)

Telemedizin spielt dabei eine zentrale Rolle:

  • Schnelle Erstbewertung per Video
  • Digitale Erhebung von Vitaldaten
  • Effiziente Steuerung ohne unnötige Praxisbesuche

Warum Regulierung unvermeidbar wird

Ein besonders kontroverser Punkt der Folge: Reicht es, auf freiwillige Digitalisierung zu setzen?
Die klare Einschätzung: 👉 Nein. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Förderprogramme und Anreize – mit begrenztem Erfolg. Die Konsequenz:

  • Digitalisierung wird zunehmend verpflichtend
  • Mindeststandards werden definiert
  • Leistungen werden an digitale Nutzung geknüpft

Das Ziel ist nicht Kontrolle – sondern Sicherstellung der Versorgung.

Vergütung als Bremsklotz der Digitalisierung

Ein oft unterschätzter Faktor: 👉 Das Vergütungssystem bestimmt das Verhalten im Gesundheitswesen.
Aktuell gilt:

  • Präsenzkontakte werden besser vergütet
  • Digitale Leistungen sind eingeschränkt
  • Effizienz wird nicht belohnt

Das führt zu einem zentralen Problem:
Digitale Prozesse sind zwar sinnvoll – aber wirtschaftlich oft nicht attraktiv. Ohne Anpassung der Vergütung wird sich Digitalisierung nur langsam durchsetzen.

Die Rolle von Telemedizin in der Praxis der Zukunft

Telemedizin ist mehr als nur Videosprechstunde. In modernen Versorgungskonzepten wird sie zum zentralen Baustein:

1. Entlastung der Praxis

  • Weniger unnötige Termine
  • Reduzierung von Telefonaufkommen
  • Effizientere Abläufe

2. Bessere Patientensteuerung

  • Schnelle Ersteinschätzung
  • Gezielte Weiterleitung
  • Kontinuierliche Betreuung

3. Neue Möglichkeiten durch Technologie

  • Vitaldatenmessung per Kamera
  • KI-gestützte Diagnostik
  • Integration in bestehende Systeme

Die Zukunft ist dabei nicht rein digital – sondern hybrid:
Eine Kombination aus persönlicher Behandlung und digitaler Unterstützung.

Fazit: Ohne klare Entscheidungen wird sich nichts ändern

Die Voraussetzungen für eine moderne Gesundheitsversorgung sind vorhanden:

  • Technologie ist verfügbar
  • Lösungen sind erprobt
  • Patienten sind bereit

Was fehlt, ist die konsequente Umsetzung. Die zentrale Erkenntnis der Folge:

👉 Digitalisierung passiert nicht von allein.
👉 Sie braucht klare Entscheidungen – von Praxen, Politik und Systemen.

Telemedizin wird dabei eine Schlüsselrolle spielen.Nicht als Zusatz – sondern als integraler Bestandteil der Versorgung.

🎧 Jetzt die Podcast-Folge anhören

In der vollständigen Folge von All about Telemedizin diskutieren wir diese Themen im Detail – direkt von der DMEA in Berlin.👉 Jetzt reinhören und eigene Perspektive erweitern.

Bleiben Sie rund um das Thema Telemedizin auf dem Laufenden. Mit unserem Newsletter:
Anschrift
arztkonsultation ak GmbH
Schusterstraße 3
19055 Schwerin
Deutschland
Kontakt
Tel: +49 385 5183 000-0
Montag - Freitag
09:00 Uhr - 17:00 Uhr
© arztkonsultation ak GmbH
lockcogenvelopecamera-videousersscreencodearrow-rightmenu-circlehighlight